Transpulmonale Druckmessung

  • In das Beatmungsgerät integriert, lediglich ein Ösophaguskatheter ist erforderlich
  • Dient der Einstellung von PEEP, Tidalvolumen und inspiratorischem Druck bei ARDS-Patienten
  • Kann in Kombination mit dem P/V Tool zur Beurteilung der Rekrutierbarkeit der Lunge und zur Durchführung von Recruitmentmanövern verwendet werden
Video abspielen

Transpulmonale Druckmessung bei ARDS

Das akute Lungenversagen (ARDS) ist durch einen Abfall der Atemsystem-Compliance aufgrund einer kollabierten Lunge und/oder eine Verringerung der Brustwand-Compliance gekennzeichnet. Bei der mechanischen Beatmung zeigt das Display des Beatmungsgeräts den Atemwegsdruck, wobei nicht zwischen Lungen- und Brustwand-Komponenten unterschieden wird. Die Messung des ösophagealen Drucks, der stellvertretend für den Pleuradruck verwendet wird, ermöglicht die Berechnung des für die Dehnung der Lunge und der Brustwand erforderlichen Drucks. Die auf die Lunge ausgeübte Dehnungskraft, auch „transpulmonaler Druck“ genannt, ist der bei endinspiratorischer oder endexspiratorischer Okklusion gemessene Druckunterschied zwischen den Alveolen und dem Ösophagus. Bei einem gegebenen Alveolardruck sinkt der transpulmonale Druck bei Anstieg des ösophagealen Drucks. Das heißt, wenn die Brustwand steifer wird, sinkt der die Lunge dehnende Anteil des Atemwegsdrucks. 

Kundenfeedback

Dr. Jean-Michel Arnal

Oberarzt der Intensivmedizin

Interkommunales Krankenhaus, Département Var, Frankreich

Bei Patienten mit schwerstem Lungenversagen setzen wir gerne die transpulmonale Druckmessung ein. Die Anwendung ist nicht allzu komplex und kann auf meiner Station auch durch Pflegekräfte erfolgen. Sie ermöglicht uns die Unterscheidung zwischen Lungen- und Brustwand-Komponenten. Dies ist besonders wichtig für die Titrierung des Recruitmentmanövers und die richtigen Einstellungen für PEEP und Tidalvolumen, um eine angemessene Beatmung ohne Verletzungen der Lunge zu gewährleisten.

Wissenschaftliche Erkenntnisse über die transpulmonale Druckmessung

Aufgrund des steigenden wissenschaftlichen Interesses sind einige wichtige Studien zum Thema transpulmonaler Druck verfügbar.

Diese Studien belegen:

  • Die mechanischen Eigenschaften der Brustwand haben einen wesentlichen und unvorhersehbaren Einfluss auf das Atemsystem (Gattinoni 2004, Talmor 2006).
  • Der Plateaudruck ist nicht geeignet, um stellvertretend für die mechanische Spannung in der Lunge verwendet zu werden (Chiumello 2008).
  • Durch die PEEP-Einstellung anhand des ösophagealen/transpulmonalen Drucks konnte die Compliance und Oxygenierung bei ARDS-Patienten erhöht werden (Talmor 2008).
  • Durch die Messung des ösophagealen Drucks kann bei den meisten Patienten mit schwerstem Lungenversagen auf den Einsatz eines extrakorporalen Membranoxygenierungsgeräts (ECMO) verzichtet werden (Grasso 2012).

Aktuelle physiologische und technische Erkenntnisse zur Messung des ösophagealen Drucks bei mechanisch beatmeten Patienten wurden von einer Expertengruppe namens „PLUG“ zusammengefasst (Akoumianaki 2014).

Funktionsweise der transpulmonalen Druckmessung

Die Beatmungsgeräte HAMILTON-G5 und HAMILTON-S1 bieten einen zusätzlichen Port für den Anschluss eines Ösophagus-Ballonkatheters. Der Ösophaguskatheter wird über die Nase  in den Magen eingeführt und bis in den Ösophagus zurückgezogen. Der Ballon wird im unteren Drittel des Ösophagus positioniert. 

Auf dem Display des Beatmungsgeräts können der ösophageale Druck (Peso) und der transpulmonale Druck (Ptranspulm) angezeigt werden. Der transpulmonale Druck kann in Kombination mit dem P/V Tool zur Beurteilung der Rekrutierbarkeit und zur Durchführung von Recruitmentmanövern verwendet werden.

Verfügbarkeit

Die transpulmonale Druckmessung zählt zur Standardausstattung auf den Beatmungsgeräten HAMILTON-G5 und HAMILTON-S1.

Downloads

Benefit of measuring transpulmonary pressure in mechanically ventilated patients<br/><br/>By: Dr. Jean-Michel Arnal, Senior Intensivist, Hopital Sainte Musse, Toulon, France and Dr. Dominik Novotni, Manager of Research and New Technology, Hamilton Medical, Bonaduz, Switzerland

White papers

Transpulmonary pressure measurement

PDF / 892.9 KB

ELO20150614.01

EN

E-books

10 Expert Tips: Esophageal Pressure Measurement in ARDS Patients

PDF / 4 MB

ELO20150701N.10

EN

Mehr Downloads

Referenzliteratur

Akoumianaki E, Maggiore SM, Valenza F, Bellani G, Jubran A, Loring SH, Pelosi P, Talmor D, Grasso S, Chiumello D, Guérin C, Patroniti N, Ranieri VM, Gattinoni L, Nava S, Terragni PP, Pesenti A, Tobin M, Mancebo J, Brochard L. The application of esophageal pressure measurement in patients with respiratory failure. Am J Respir Crit Care Med. 2014 Mar 1;189(5):520-31.

Chiumello D, Carlesso E, Cadringher P, Caironi P, Valenza F, Polli F, Tallarini F, Cozzi P, Cressoni M, Colombo A, Marini JJ, Gattinoni L. Lung stress and strain during mechanical ventilation for acute respiratory distress syndrome. Am J Respir Crit Care Med. 2008 Aug 15;178(4):346-55

Gattinoni L, Chiumello D, Carlesso E, Valenza F. Bench-to-bedside review: chest wall elastance in acute lung injury/acute respiratory distress syndrome patients. Crit Care. 2004 Oct;8(5):350-5.

Grasso S, Terragni P, Birocco A, Urbino R, Del Sorbo L, Filippini C, et al. ECMO criteria for influenza A (H1N1)-associated ARDS: role of transpulmonary pressure. Intensive Care Med. 2012 Mar;38(3):395-403

Talmor D, Sarge T, O'Donnell CR, Ritz R, Malhotra A, Lisbon A, Loring SH. Esophageal and transpulmonary pressures in acute respiratory failure. Crit Care Med. 2006 May;34(5):1389-94

Talmor D, Sarge T, Malhotra A, O'Donnell CR, Ritz R, Lisbon A, Novack V, Loring SH. Mechanical ventilation guided by esophageal pressure in acute lung injury. N Engl J Med. 2008 Nov 13;359(20):2095-104